Ratgeber
PV-Anlage nach 20 Jahren: Was tun, wenn die EEG-Vergütung endet?
Ihre Anlage läuft weiter, und Sie dürfen weiter einspeisen. Aber statt der hohen Vergütung von damals gibt es ab dem 1. Januar nur noch wenige Cent pro Kilowattstunde. Wer jetzt auf Eigenverbrauch umstellt, holt aus der abbezahlten Anlage oft mehr heraus als in den letzten Jahren – und hat Zeit bis zum Jahreswechsel, das in Ruhe vorzubereiten.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Förderung endet am 31. Dezember des 20. Jahres nach Inbetriebnahme – für Anlagen von 2006 also Ende 2026.
- Wer nichts tut, speist automatisch weiter ein und bekommt den Marktwert: 2025 waren das netto rund 3,8 Cent pro Kilowattstunde.
- Selbst verbrauchter Solarstrom ersetzt Netzstrom, der rund zehnmal so viel kostet.
- Drei Wege: weiter einspeisen, auf Eigenverbrauch umstellen oder erneuern.
Wann endet Ihre Förderung genau?
Die feste Einspeisevergütung läuft 20 Jahre lang, gezählt ab dem Jahr nach der Inbetriebnahme. Sie endet also immer am 31. Dezember des 20. Folgejahres – egal, in welchem Monat die Anlage ans Netz ging:
| In Betrieb genommen | Förderung endet am |
|---|---|
| 2006 | 31.12.2026 |
| 2007 | 31.12.2027 |
| 2008 | 31.12.2028 |
Betroffen sind viele: In Baden-Württemberg fallen nach Zahlen des Photovoltaik-Netzwerks BW aus dem Marktstammdatenregister allein 2026 rund 15.500 Anlagen aus der Förderung – so viele wie nie zuvor. Die meisten davon gehören Privatleuten.
Was passiert, wenn Sie nichts tun
Ihre Anlage wird nicht abgeschaltet. Der Netzbetreiber muss den Strom weiter abnehmen, und Sie bekommen automatisch die sogenannte Anschlussvergütung – ohne Antrag. Sie berechnet sich so:
- Grundlage ist der Jahresmarktwert Solar, also der durchschnittliche Börsenwert von Solarstrom. Er lag 2025 bei 4,51 Cent pro Kilowattstunde und ist gesetzlich auf höchstens 10 Cent begrenzt.
- Davon wird eine Vermarktungspauschale abgezogen: 0,72 Cent für 2025, 0,23 Cent für 2026. Mit einem intelligenten Messsystem halbiert sie sich.
- Die Regelung gilt für Anlagen bis 100 Kilowatt – also praktisch jede Anlage auf einem Wohnhaus – nach aktuellem Gesetz bis Ende 2032.
Zum Vergleich: Wer 2006 eine kleine Dachanlage in Betrieb genommen hat, bekam rund 50 Cent pro Kilowattstunde. Die Einnahmen schrumpfen also auf weniger als ein Zehntel.
Weg 1: Weiter voll einspeisen
Der bequemste Weg: Sie ändern nichts. Das passt, wenn Sie tagsüber kaum Strom verbrauchen oder die Anlage ohnehin bald erneuern wollen. Rechnerisch wird es aber eng. Die Verbraucherzentrale rechnet für eine kleine 2-Kilowatt-Anlage mit 1.700 Kilowattstunden Ertrag und 100 Euro Betriebskosten im Jahr (Zählermiete, Versicherung, Wartung) ein Minus von rund 60 Euro pro Jahr.
Weg 2: Auf Eigenverbrauch umstellen
Statt alles einzuspeisen, nutzen Sie den Solarstrom zuerst selbst; nur der Überschuss geht ins Netz und wird weiter zum Marktwert vergütet. Der Gedanke dahinter ist einfach: Strom aus einer abbezahlten Anlage kostet Sie nur noch wenige Cent, Strom aus dem Netz rund das Zehnfache. Jede selbst genutzte Kilowattstunde ist deshalb viel mehr wert als eine eingespeiste.
Im Rechenbeispiel der Verbraucherzentrale bleibt bei derselben 2-Kilowatt-Anlage mit 40 % Eigenverbrauch ein Plus von rund 115 Euro im Jahr, bei einer 5-Kilowatt-Anlage mit 20 % Eigenverbrauch rund 265 Euro – statt eines Minus.
Was dafür technisch nötig ist:
- Die Anlage wird so umgeklemmt, dass der Strom zuerst ins Hausnetz fließt.
- Ein Zweirichtungszähler misst, was Sie aus dem Netz beziehen und was Sie einspeisen. Das Messkonzept stimmt der Elektrofachbetrieb mit dem Netzbetreiber ab – in Stuttgart meist die Stuttgart Netze, in vielen Gemeinden im Kreis Ludwigsburg die Netze BW.
- Der Zählerschrank muss die heutigen Vorgaben erfüllen. Bei Häusern mit altem Zählerschrank wird er oft Teil des Umbaus – woran Sie das erkennen, steht in unserem Ratgeber Zählerschrank erneuern.
Die Kosten nennt die Verbraucherzentrale mit ab etwa 200 Euro im einfachsten Fall bis etwa 2.000 Euro, wenn ein neuer Zählerschrank und die Vorbereitung für einen Speicher dazukommen (ohne den Speicher selbst).
Mehr Eigenverbrauch: Speicher, Warmwasser, E-Auto
Ohne Hilfsmittel nutzen die meisten Haushalte nur einen Teil ihres Solarstroms selbst – die Sonne scheint mittags, verbraucht wird morgens und abends. Diese Bausteine schieben den Anteil nach oben:
- Batteriespeicher: Laut HTW Berlin steigt der Anteil des selbst gedeckten Strombedarfs mit Speicher im Schnitt von etwa 30 auf etwa 70 %. Speicher sind deutlich günstiger geworden: Der ADAC nennt für Sommer 2026 rund 250 bis 450 Euro pro Kilowattstunde Kapazität, dazu etwa 1.000 bis 3.000 Euro für die Montage. Als Faustregel gilt höchstens 1,5 Kilowattstunden Speicher je 1.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch; unter rund 3.000 Kilowattstunden Verbrauch lohnt sich ein Speicher selten.
- Warmwasser: Ein Heizstab im Warmwasserspeicher nutzt Überschüsse für die Dusche statt für die Einspeisung.
- E-Auto: Eine Wallbox mit Überschussladen tankt das Auto bevorzugt mit Solarstrom.
- Wärmepumpe: Sie verbraucht vor allem im Winter Strom, nutzt aber in der Übergangszeit und für Warmwasser einen Teil des Solarstroms. Ob Ihr Haus dafür geeignet ist, lesen Sie in Wärmepumpe im Altbau.
Weg 3: Die Anlage erneuern (Repowering)
Moderne Module liefern auf derselben Dachfläche deutlich mehr Strom als Module von 2006. Nach dem Faktenblatt des Photovoltaik-Netzwerks Baden-Württemberg ist eine Erneuerung vor allem sinnvoll, wenn
- die Anlage häufiger ausfällt oder Module defekt sind,
- Ihr Stromverbrauch gestiegen ist – etwa durch Wärmepumpe oder E-Auto – oder
- ohnehin eine Dachsanierung ansteht. Dann lassen sich Gerüst und Arbeit gemeinsam nutzen. Wichtig in Baden-Württemberg: Bei einer grundlegenden Dachsanierung gilt die Photovoltaik-Pflicht des Landes.
Laut Faktenblatt gilt eine erneuerte Ü20-Anlage als neue Anlage. Wer bis Ende 2026 in Betrieb geht – zeitlich inzwischen knapp –, bekommt noch eine feste Vergütung für 20 Jahre: laut Verbraucherzentrale bis 10 Kilowatt 7,70 Cent bei Überschusseinspeisung und 12,22 Cent bei Volleinspeisung. Für Anlagen ab 2027 will die Bundesregierung die feste Einspeisevergütung abschaffen; das Gesetz wird gerade im Bundestag beraten. Für eine Erneuerung ist dann der Eigenverbrauch noch wichtiger. Wie sich eine neue Anlage heute rechnet, steht in Photovoltaik 2026, mögliche Zuschüsse im Förder-Ratgeber für Stuttgart und Ludwigsburg.
Ist Ihre Anlage nach 20 Jahren noch fit?
Bevor Sie umbauen oder einen Speicher kaufen, lohnt ein Blick auf den Zustand. Die Verbraucherzentrale nennt für einen Anlagencheck rund 250 bis 300 Euro. Geprüft werden sollten vor allem:
- Wechselrichter: Er ist das Bauteil, das in der Praxis am häufigsten ausfällt; bei vielen Anlagen wurde er schon einmal getauscht. Ist er alt, kann ein Tausch gegen einen Hybrid-Wechselrichter den Speicher gleich mit vorbereiten.
- Module: Sie altern meist langsam. Ein Vergleich des Jahresertrags mit früheren Jahren zeigt, ob die Leistung auffällig nachgelassen hat.
- Kabel, Stecker und Befestigung: Nach 20 Jahren Sonne, Frost und Wind sind Sichtprüfung und Messung sinnvoll.
- Dach: Steht in den nächsten Jahren eine Sanierung an, spricht das eher für Weg 3.
- Zählerschrank: Er entscheidet mit darüber, wie aufwendig die Umstellung auf Eigenverbrauch wird.
Was Sie melden müssen
Ihre Anlage muss im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur eingetragen sein; wer das bisher versäumt hat, sollte es nachholen. Jeder Umbau – Umstellung auf Eigenverbrauch, Speicher, neue Module – muss dort und beim Netzbetreiber gemeldet werden. Bei der Umstellung übernimmt das in der Regel der Elektrofachbetrieb.
Welcher Weg passt zu Ihnen?
| Ihre Situation | Naheliegender Weg |
|---|---|
| Tagsüber kaum Verbrauch, Anlage soll bald weg | Weiter einspeisen |
| Anlage läuft zuverlässig, normaler Haushalt | Auf Eigenverbrauch umstellen |
| Hoher Verbrauch abends, E-Auto oder Wärmepumpe | Eigenverbrauch plus Speicher |
| Defekte Module oder Dachsanierung geplant | Erneuern |
Quellen
- Verbraucherzentrale: Photovoltaik – Was tun mit der Ü20-Anlage, wenn die EEG-Förderung endet? (Stand August 2026)
- Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2023), § 23b: Einspeisevergütung bei ausgeförderten Anlagen
- Netztransparenz.de (Übertragungsnetzbetreiber): Marktwertübersicht – Jahresmarktwert Solar
- BSW-Solar: Vergütungssätze für Photovoltaikanlagen (inkl. Befristung für ausgeförderte Anlagen, § 25 Abs. 2 EEG)
- Photovoltaik-Netzwerk Baden-Württemberg (KEA-BW, Solar Cluster BW): 2026 fallen im Südwesten rund 15.000 Photovoltaik-Anlagen aus der Einspeisevergütung (Pressemitteilung, 25.11.2025)
- Photovoltaik-Netzwerk Baden-Württemberg: Faktenblatt Repowering von Photovoltaik-Anlagen
- ADAC: Stromspeicher für die PV-Anlage – Kosten und wann er sich lohnt (Stand August 2026)
- HTW Berlin: Stromspeicher-Inspektion 2026
- Stiftung Umweltenergierecht: Die Folgen für kleine EE-Anlagen nach dem EEG 2027-Entwurf (Juni 2026)
- Bundesverband Erneuerbare Energie: Stellungnahme zum Regierungsentwurf der EEG-Novelle 2027 (September 2026)
- Bundesnetzagentur: Marktstammdatenregister
Stand: Oktober 2026. Das EEG 2027 ist noch nicht beschlossen; einzelne Regeln können sich ändern. Die Beträge sind Orientierungswerte aus den genannten Quellen und ersetzen keine Berechnung für Ihre Anlage. Maßgeblich sind die aktuellen Vorgaben Ihres Netzbetreibers.
FAQ
Häufige Fragen
Muss ich etwas tun, wenn meine EEG-Vergütung endet?
Nein, nicht zwingend. Wenn Sie nichts ändern, nimmt der Netzbetreiber Ihren Strom weiter ab und zahlt automatisch die Anschlussvergütung – den Jahresmarktwert Solar abzüglich einer Vermarktungspauschale. Sie bekommen aber deutlich weniger Geld als bisher. Ob sich eine Umstellung auf Eigenverbrauch lohnt, sollten Sie deshalb rechtzeitig prüfen.
Wie viel bekomme ich nach dem Förderende noch für meinen Strom?
Der Jahresmarktwert Solar lag 2025 bei rund 4,5 Cent pro Kilowattstunde. Davon zieht der Netzbetreiber eine Vermarktungspauschale ab: 2025 waren es 0,72 Cent, für 2026 sind es 0,23 Cent. Mit einem intelligenten Messsystem halbiert sich die Pauschale. Der Marktwert schwankt von Jahr zu Jahr und ist gesetzlich auf höchstens 10 Cent begrenzt.
Lohnt sich die Umstellung auf Eigenverbrauch?
Meist ja, wenn die Anlage noch zuverlässig läuft. Selbst genutzter Solarstrom aus einer abbezahlten Anlage kostet nur wenige Cent pro Kilowattstunde, Strom aus dem Netz rund das Zehnfache. Jede Kilowattstunde, die Sie selbst verbrauchen statt einzuspeisen, spart also deutlich mehr, als die Einspeisung bringt. Die Umstellung kostet laut Verbraucherzentrale im einfachsten Fall ab etwa 200 Euro.
Kann ich an eine alte PV-Anlage einen Speicher anschließen?
In der Regel ja. Bei Bestandsanlagen werden oft AC-gekoppelte Speicher eingesetzt, weil sie unabhängig vom vorhandenen Wechselrichter angeschlossen werden. Ob sich ein Speicher rechnet, hängt vor allem vom Verbrauch ab: Unter etwa 3.000 Kilowattstunden im Jahr lohnt er sich laut ADAC selten.
Wie lange gilt die Anschlussvergütung?
Nach aktuellem Gesetz bis Ende 2032, für Anlagen bis 100 Kilowatt. Die Regelung war ursprünglich bis Ende 2027 befristet und wurde mit dem Solarpaket I verlängert. Der Gesetzgeber berät derzeit über das EEG 2027; nach dem Regierungsentwurf bleibt eine Abnahmeregel für ausgeförderte Anlagen bestehen.
Fragen zu Ihrer Anlage?
Wenn Sie unsicher sind, welcher Weg für Ihre Anlage passt, melden Sie sich jederzeit bei uns. WayStrom GmbH, Meisterbetrieb für Elektro & Energietechnik aus Möglingen.

